Lyonel-Feininger-Galerie

1871–1872

Léonell Charles Feininger kommt am 17. Juli als erstes Kind des aus Baden stammenden Geigers Karl (Charles) Feininger und seiner Frau, der Sängerin Elizabeth Cecilia, Geborene Lutz, in New York zur Welt. Seit seinem neunten Lebensjahr erteilt ihm der Vater Geigenunterricht. Darüber hinaus begeistert sich der Junge für moderne Technik, insbesondere für Eisenbahnen, Dampfer und Brücken, zeichnet viel und baut selbst Schiffsmodelle.

1887

Während seine Eltern eine Konzerttournee durch Europa absolvieren, verdient sich der junge Mann als Laufbursche etwas Geld an der Wall Street. Schließlich reist er im Oktober mit dem Dampfschiff Gellert nach Deutschland. Dem Willen des Vaters folgend, soll Feininger hier eigentlich eine musikalische Ausbildung erhalten. Doch auf sein Drängen hin erteilen ihm die Eltern die Erlaubnis, die Hamburger Gewerbeschule zu besuchen, wo er Zeichenunterricht erhält. Schon in der Osterausstellung, welche die Schule im kommenden Jahr veranstaltet, ist Feininger mit dreizehn seiner Zeichnungen vertreten und besteht im Sommer die Aufnahmeprüfung an der Berliner Akademie. Dort besucht er die Klasse des Malers Ernst Hancke und beginnt schon 1889 für die Wochenzeitung Humoristische Blätter als Karikaturist zu arbeiten. Die Ferien des Sommers 1889 verlebt er in Harzburg.

1890

Anfang September schickt ihn sein Vater zum Studium an das von Jesuiten geleiteten Collège St. Servais in Lüttich. In Brüssel, das Feininger noch im Herbst von dort aus besucht, begeistert ihn vor allem die pittoreske, geschichts- und bedeutungsträchtige Architektur dieser alten europäischen Stadt.

1891

Im Frühsommer kehrt Feininger nach Berlin zurück. Hier studiert er zunächst an der Kunstschule von Ernst Schlabitz, nach deren Schließung aber wieder an der Königlichen Akademie, wo er von Woldemar Friedrich in die höhere Antikenklasse aufgenommen wird. Sommer auf der Insel Rügen.

1892

Da er die Aktstudien als seiner künstlerischen Entwicklung nicht förderlich empfindet, verlässt Feininger die Akademie. Den August und September verbringt er in Seedorf, also abermals auf der Insel Rügen, und reist Anfang November nach Paris (Wohnung: Rue Campagne Premier Nr. 9), wo er in der Atelierschule des italienischen Bildhauers Filippo Colarossi arbeitet.

1893

Wieder in Berlin, ist Feininger in den Folgejahren für verschiedene deutsche und amerikanische Zeitungen als Karikaturist tätig, u. a. für Zeitschriften der Firma Harper und Brother in New York, Lustige Blätter, oder Das Narrenschiff. Für Ulk arbeitet er ein Jahr (1897/98) als fest angestellter Zeichner. Die Sommer verbringt er immer wieder auf der Insel Rügen oder in anderen Orten an der Ostseeküste.

1900

Bekanntschaft mit Clara Fürst, die er im Folgejahr heiratet. Geburt der Tochter Lore (1901) und Marianne (1902). 1905 trennt Feininger sich von seiner Frau und lebt fortan mit Julia Berg (geb. Lilienfeld). 1906 wird ihr erster Sohn Andreas, 1909 Laurence und 1910 Theodore Lux geboren.

1903

Auf der 8. Ausstellung der Berliner Secession ist der Künstler mit Zeichnungen vertreten, in der Großen Kunstausstellung Berlin im folgenden Jahr mit dreizehn Karikaturen.

1906

Häufige Besuche führen Feininger nach Weimar, da Julia Berg dort an der Kunstgewerbeschule studiert. Er mietet ein Atelier in der Kurthstraße 7a und es entstehen die ersten Zeichnungen von Architekturen in Weimar, Tiefurt und dem künftigen Hauptmotiv seines Werkes, der Dorfkirche von Gelmeroda. Im Juli reist Feininger mit Julia nach Paris, wo er abermals bei Colarossi arbeitet. Da er im Café du Dôme verkehrt, lernt er viele der deutschen Matisse-Schüler kennen. Den August und September verbringt er in der Normandie. Neben der Arbeit an zwei Comic-Serien für die Chicago Sunday Tribune (The Kin-der-Kids, Wee-Willie Winkie’s World) entstehen auch Zeichnungen für die französische Zeitung Le Témoin, zahlreiche Skizzen zum Pariser Leben sowie die ersten Lithographien und Radierungen.

1907

Da Feininger nicht bereit ist, in die USA überzusiedeln, kündigt die Chicago Sunday Tribune ihren Vertrag, den sie im Vorjahr mit ihm geschlossen hatte. Die Brotarbeit des Karikaturisten wird zunehmend von freier künstlerischer Arbeit verdrängt. Am 7. April malt er, vermutlich in einem Pariser Hotel, sein erstes Gemälde, ein Stillleben. Es folgen Landschaften und Pariser Stadtansichten. Er sieht Bilder von van Gogh und Cézanne. Überhaupt sind die Parisaufenthalte dieser Jahre immer wieder mit wichtigen künstlerischen Anregungen für ihn verbunden.

1908

In London, wo Julia Berg und Lyonel Feininger in diesem Jahr heiraten, sieht der Künstler zum ersten Mal Gemälde des von ihm verehrten William Turner. Es entstehen seine ersten Grotesken und so genannten Mummenschanz-Bilder. Bis 1919 wohnt die Familie in Berlin-Zehlendorf, Königstraße 22.

1909

Feininger wird Mitglied der Berliner Secession, an deren Ausstellungen er sich fortan beteiligt, und für die er 1912 ein Wandbild malt. Sommermonate in Heringsdorf.

1911

In Paris stellt er sechs Gemälde im Salon des Indépendants aus, lernt Robert Delaunay kennen und sieht erstmals Bilder der französischen Kubisten, mit deren Formenvokabular und Zielen sich Feininger in den Folgejahren intensiv auseinandersetzt. Sommer in Heringsdorf.

1912

Erste Architekturkompositionen. Feininger lernt die Künstler der Brücke kennen und schließt Freundschaft mit Alfred Kubin. Überdies beginnt in diesem Jahr die lebenslange Korrespondenz mit Karl Schmidt-Rottluff, der 1915 ein Porträt von ihm malt.

1913

Austritt aus der Berliner Secession. Auf Empfehlung Kubins wird Feininger von Franz Marc zum Ersten Deutschen Herbstsalon in die von Herward Walden geleitete Galerie Der Sturm eingeladen. 1916 stellt er dort gemeinsam mit Conrad Felixmüller abermals aus, und 1917 folgt die erste Einzelausstellung. Von seinem zusätzlich in Weimar angemieteten Atelier unternimmt Lyonel Feininger Ausflüge in die Dörfer der Umgebung, darunter Hopfgarten, Mellingen, Tröbsdorf und Vollersroda. Die Skizzen, die während dieser Zeit entstehen, werden zu den wichtigsten Quellen seiner späteren Bilder. Erste Gemälde der Dorfkirche von Vollersroda und Gelmeroda. Für eine Spielzeugfabrik entwirft er Eisenbahnzüge aus bemaltem Holz. Eine Serienproduktion wird vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhindert.

1918

Nach dem Sommer des Jahres 1917 verbringt die Familie auch den Sommer 1918 in Braunlage im Harz. Dort beginnt Feininger sich intensiv mit dem Holzschnitt zu beschäftigen. Allein 1918 entstehen über einhundert Werke in dieser Technik. Daneben beginnt er damit, für seine Kinder kleine skurrile Holzfigürchen und Häuschen zu schnitzen.

1919

Lyonel Feininger unterzeichnet das Programm des Arbeitsrates für Kunst. Als erster Künstler wird er von Walter Gropius an das neu gegründete Staatliche Bauhaus Weimar berufen und übernimmt dort die künstlerische Leitung der Druckwerkstatt, hat allerdings keine Lehrverpflichtung. Sein Holzschnitt Kathedrale wird Titel des Bauhaus-Manifestes. Wie das Werk vieler Künstler der Avantgarde der Vorkriegszeit erfährt auch dasjenige Lyonel Feiningers zunehmende öffentliche Anerkennung. Seine Bilder werden von großen Museen angekauft und erscheinen in bedeutenden nationalen und internationalen Ausstellungen.

1921

Als erstes amerikanisches Museum erwirbt das Detroit Institute of Fine Arts ein Gemälde Feiningers. Er komponiert die erste von insgesamt 14 Fugen, die bis 1928 entstehen. Zwei davon bleiben Fragment.

1923

Auf Einladung des Direktors Walter Kaesbach kann Feininger ein Arbeitszimmer im Anger-Museum in Erfurt nutzen.

1924

Mit Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky und Paul Klee gründet Feininger die Ausstellungsgemeinschaft Blaue Vier. Deren erste, von Emmy (Galka) Scheyer vermittelte Ausstellung findet 1925 in New York statt. Erster Sommer in Deep an der pommerschen Ostseeküste, dem zwölf weitere folgen werden. Von dort aus werden Erkundungen nach Treptow, Kolberg, Cammin und anderen Orten in der Nähe gestartet, die ihren reichen künstlerischen Niederschlag im Werk dieser und späterer Jahre finden.

1925

Schließung des Bauhauses in Weimar, doch kann die Institution im folgenden Jahr nach Dessau übersiedeln, wo die Feiningers in einem der dort neu erbauten Meisterhäuser wohnen. Feininger hat jedoch keinerlei Lehrverpflichtung.

1929

Durch Vermittlung von Alois J. Schardt erhält Feininger den Auftrag, ein Bild der Stadt Halle als Geschenk für die Stadt Magdeburg zu malen. Zu diesem Zweck bezieht er ein Atelier im Torturm der Moritzburg. Dort entstehen in den folgenden Jahren elf Gemälde, welche die Stadt 1931 ankauft und im Kuppelsaal der Moritzburg ausstellt.

1931

Das Folkwang-Museum in Essen veranstaltet anlässlich des 60. Geburtstages des Künstlers eine große Retrospektive seiner Werke. Von der Nationalgalerie Berlin übernommen wird sie in etwas veränderter Form auch im Kronprinzenpalais Unter den Linden gezeigt. Sommer in Paris und in der Bretagne.

1932

Auf Beschluss des nationalsozialistisch dominierten Gemeinderates der Stadt Dessau wird das Bauhaus geschlossen. Seine Weiterführung als Privatinstitut in Berlin gelingt nur für kurze Zeit. Feiningers verlassen Dessau im März 1933 und verbringen mehrere Monate in Deep. Im Herbst und Winter dieses Jahres wohnen sie bei Freunden in Berlin, ehe sie 1934 wieder eine eigene Wohnung in Berlin-Siemensstadt, Lenthersteig 21/I beziehen.

1935

Der Sommer 1935 ist der letzte, den die Feiningers in Deep verleben. Ein großes Konvolut von Werken, die Feininger im Moritzburg-Museum in Halle deponiert hatte, wird von Feiningers Freund Hermann Klumpp nach Quedlinburg und in Sicherheit gebracht.

1936

Auf Einladung des Kunsthistorikers Alfred Neumeier fährt Feininger mit seiner Frau Julia im Mai von Hamburg per Schiff in die USA, um dort am Mills College in Oakland einen Sommerkursus abzuhalten. Er reist durch Kalifornien und Neuengland und besucht Sharon in Connecticut, einen Ort seiner Kindheit, auch Los Angeles, wo die Feiningers bei Galka Scheyer wohnen. Über Hamburg und Stockholm kehren sie Ende des Jahres wieder nach Berlin zurück.

1937

Die immer unerträglicher werdenden politischen und kulturellen Umstände seit Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 und die latente Bedrohung Julias allein durch die Tatsache, dass sie Jüdin ist, führen endlich zum Entschluss, in die USA auszuwandern. Die erneute Einladung zu einem Sommerkurs am Mills College stellt nur mehr einen äußerlichen Vorwand dar. Am 11. Juni verlassen Julia und Lyonel Feininger Deutschland und erreichen New York am 17. Juni. Nach dem Sommerkurs kehren sie nach New York zurück, wo sie zunächst im Hotel leben. Im Rahmen der Aktion Entartete Kunst werden über vierhundert Werke Feiningers aus deutschen Museen beschlagnahmt, zahlreiche davon in der gleichnamigen Wanderausstellung diffamiert.

1938

Bis zu seinem Tod lebt Feininger in einer Wohnung in der 235 East 22nd Street. Er erhält den Auftrag der New Yorker Weltausstellung 1939 zum Entwurf der Wandbilder für das Marine Transportation Building und das Masterpieces of Art Building.

1939

Es entstehen erstmals wieder Gemälde, nach alten Motiven aus Deutschland und von der Ostsee, Motive, die im Grunde bis zum Ende sein Werk dominieren werden, obschon er 1940 auch die ersten Manhattan-Bilder malt.

1943

Beginn der Freundschaft mit Mark Tobey.

1944

Große Retrospektive seines Werkes im MOMA, gemeinsam mit Marsden Hartley.

1947

Präsident der Federation of American Painters and Sculptors, 1955 Ehrenvizepräsident.

1950

Entwurf eines Wandbildes für den Passagierdampfer Constitution.

1956

Am 13. Januar stirbt Lyonel Feininger in seiner New Yorker Wohnung.