Lyonel-Feininger-Galerie

Felix Martin Furtwängler.
PEINTRE GRAVEUR.
Buch-Kunst-Druck

Sonderausstellung im Obergeschoss

Die Zahl derer, die sich mit dem Thema „Künstlerbuch“ beschäftigen, ist nie groß gewesen. Das gilt für die Schaffenden selbst, aber auch für die Liebhaber dieses Spezialgebiets der Grafik, das oft auch unter „visueller Poesie“ gefasst wird. Der Begriff umschreibt ein Gesamt-kunstwerk, das zwischen Typografie, Material, Bindungstechnik und Druckverfahren, aber auch zwischen Bild, Text und Objekt eine geistige Einheit sucht und weit über den Anspruch von Buchdesign hinauszielt. Beim Künstlerbuch wird die handwerkliche Umsetzung als Teil der Bildgestalt verstanden. Fertigungstechniken spielen deshalb eine größere Rolle als sonst in der modernen Kunst.

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Das Faser-Album & Pawel Florenski. Malerbuch, Gedichte zusammengestellt von Fritz und Sieglinde Mierau mit extra Suite von farbigen Kunststoff-(Forex)Schnitten, Edition young, wild & nieuw, Berlin 2016/17

So steht das „Künstlerbuch“ schon im Ansatz konträr zum Spektakulären, das die zeitgenössische Kunst bestimmt. Überdies setzt es dem Eventbetrieb die Schwierigkeit entgehen, solche Buchobjekte überhaupt ausstellen zu können. Man muss sich die Originale erarbeiten. Sie zielen auf Zweisamkeit, auf Versenkung, auf die Würdigung der Synthese aller aufgerufenen Komponenten. Furtwänglers Buchkunstwerke befinden sich in den Sammlungen der großen Museen und Bibliotheken der Welt. Sie doch einmal zugänglich zu machen, ist ein Anliegen dieses Projekts.

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Ohne Titel, 2016/18, Vinylplatten, bemalt mit Acryl, Druckfarbe und Lack

Sein Titel – „Peintre Graveur“ („Malergrafiker“) – weist auf eine Tradition, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht und im Begriff schon auf einen Künstler hinweist, der seine Malerei um die Ausdrucksbereiche der Grafik erweitert. So werden neben den Büchern auch Serien, Folgen, Sequenzen und Zyklen gezeigt. Sie umkreisen sämtliche Möglichkeiten zwischen Hoch- und Tiefdruck und experimentelle Mischformen, die ihrerseits auf die unterschiedlichsten Materialien der Druckvorstufe zurückgehen: Holz, Forex, Kupfer, Zink für Ätzung, Stich, Aquatinta, Kaltnadel, Reservage, Siebdruck, Holzschnitt, Collage und Prägedruck. Die Ausstellung liefert so das gesamte Spektrum an grafischen Sprachmitteln, die Furtwängler in vierzig Jahren aufgerufen hat. Um einige Beispiele der Malerei bereichert gibt sie Einblick in ein Lebenswerk, das eine unvergleich-liche Symbiose zwischen verschiedenen Bildmedien erreicht und im „Künstlerbuch“ seine Kernform findet

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Ohne Titel, 2002, Holzobjekt, bemalt

Felix Martin Furtwängler

1954 in Karlsruhe geboren I 1972 Kunstschule Alsterdamm, Hamburg I 1973 Schule für Werkkunst und Mode, Berlin I 1975 Hochschule der Künste, Berlin, Produktdesign I 1977 Hochschule der Künste, Berlin, Malerei und Grafik I 1983 Meisterschüler bei Gerhart Bergmann I 1984 Forster Presse, Zedtwitz I 1986 Tyslander Pres, Berlin Kreuzberg I 1987 Karl-Hofer-Stipendium Berlin, abgebrochen I 1990 Edition Sub Rosa, Berlin Mitte I 1992 Lucas-Cranach-Preis für Malerei I 1993 Archiv- und Privatpresse Berlin

Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin und Wolfertschwenden

Der Künstler arbeitet vom 19. Mai bis 15. Juni im Klopstock-Gartenhaus und im Seitenflügel der Galerie. Besucher haben vor Ort die Gelegenheit zu einem Werkstattgespräch!